Erfahrungsbericht von Ron-2 aus Ungarn
Publiziert: Freitag, 14.02.2020
Gerne berichte ich Ihnen von Ronja, wie wir sie getauft haben.
Ihr Trauma respektive ihre tiefen Ängste hat sie noch nicht überwinden können. So benötigt sie bei Begegnungen mit Hunden und teilweise auch Menschen häufig unsere aktive Begleitung und Unterstützung, damit sie sich sicher fühlen kann. Vor allem ausserhalb unseres sicheren Zuhauses gerät sie leicht in Aufregung und wir müssen ihr dann das Gefühl von Schutz vermitteln. Sie hat schon deutlich mehr Sicherheit gewonnen. Dennoch benötigt sie noch viele neue gute Erfahrungen und Erinnerungen, damit ihre schlimmen allmählich verblassen können.
Wir wurden nicht vorgängig darüber informiert, dass sie zu den schwer traumatisierten Hunden mit erhöhter Fluchtgefahr in diesem Transport gehören würde und wurden durch diese Tatsache vor Ort überrumpelt. Und das als Menschen mit vergleichsweise wenig Erfahrung mit Hunden. Wir holten ein komplett verängstigtes Hundemädchen ab, das noch gänzlich undomestiziert war. Zweimal ist sie uns beinahe entwischt. Wir begannen wirklich bei Null und lernten mit und von Ronja. Sie tat anfangs weder zu Hause noch draussen auch nur einen Schritt. Spaziergänge fanden in der Hundetasche im Kinderwagen statt. Lange Zeit konnten wir nur zwischen Häusern spazieren, weil ihr offenes Gelände zu viel Angst bereitete. Neue Wege konnten nur vorsichtig und langsam eingeführt werden. Immer wieder mussten wir sie ein Stück tragen, weil sie zuviel Angst hatte. Stubenrein zu werden dauerte lange. Kleine Flickenteppiche und die Waschmaschine halfen dabei.
Ohne das tolle Vorbild durch unsere erste Hündin Cora und ohne die tatkräftige Unterstützung von meinen drei jüngeren erwachsenen Kindern hätte ich es wohl kaum geschafft. Ronja orientiert sich stark an Cora und ist überhaupt äusserst lernwillig und will es unbedingt gut machen. Die beiden sind inzwischen richtig zusammengewachsen. Und Cora hat mit Ronja ein Gspänli bekommen, um Zuhause besser auf uns Menschen warten zu können, wenn wir unserer Arbeit nachgehen.
Vermutlich musste Ronja auf der Strasse wirklich Hunger leiden, denn sie pressiert immer noch gewaltig beim Essen. Ich hoffe, mit der Zeit wird sie auch da entspannter.
Längst können wir uns ein Leben ohne Ronja schlicht nicht mehr vorstellen. Wir haben sie ganz fest ins Herz geschlossen. Sie ist extrem überschwänglich, anhänglich, zärtlich und dankbar. Sie überschüttet uns förmlich mit ihrer Liebe. Sie will immer gestreichelt werden. Körperkontakt ist ihr sehr wichtig. Sie interessiert sich für alles, was wir Menschen tun. Sie liebt es, Hundebällen nachzujagen und bringt sie, ohne dass wir das je mit ihr trainiert hätten, stets zurück und sie gibt nie auf, wenn sie sie mal suchen muss. Sie ist darin ein Naturtalent.
Wir sind gespannt auf alles, was noch kommen wird mit ihr. Sie bereichert unser Leben enorm.
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